Radon erhöht das Risiko für Lungenkrebs. Das ist wissenschaftlich gut belegt. Schwieriger ist die Frage, ob sich bei einer einzelnen erkrankten Person nachweisen lässt, dass Radon tatsächlich die Ursache war. Was zeigen Studien und Behörden – und was bedeutet das für Menschen, die ihre eigene Radonbelastung einschätzen möchten?

Wie kann Radon die Lunge schädigen?
Beim Zerfall von Radon entstehen radioaktive Folgeprodukte. Werden sie eingeatmet, können sie sich in den Atemwegen ablagern. Dort geben sie Strahlung ab, die Zellen im Lungengewebe schädigen kann.¹
Für ein erhöhtes Gesundheitsrisiko sind insbesondere zwei Faktoren entscheidend:
- die Höhe der Radonkonzentration
- die Dauer der Belastung.
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehört, stuft Radon und seine Zerfallsprodukte als krebserregend für den Menschen (Gruppe 1) ein.² Das bedeutet: Es gibt genügend wissenschaftliche Belege dafür, dass Radon beim Menschen Krebs verursachen kann. Wichtig: «Gruppe 1» bedeutet nicht, dass jede Radonbelastung automatisch zu Krebs führt. Die Einstufung sagt nur aus, wie gut der Zusammenhang wissenschaftlich belegt ist.
Welche wissenschaftlichen Studien belegen den Zusammenhang zwischen Radon und Lungenkrebs?
Frühe Erkenntnisse stammen vor allem aus Untersuchungen im Uranbergbau. Dort waren Arbeiter teilweise während vieler Jahre hohen Konzentrationen von Radon ausgesetzt. Die Studien zeigten: Je höher und länger die Radonbelastung war, desto höher war auch das Risiko für Lungenkrebs. Später stellte sich eine wichtige Frage: Gilt das auch für die deutlich niedrigeren Radonwerte, die in Wohngebäuden vorkommen können?
Auch dafür gibt es klare wissenschaftliche Hinweise. Eine der wichtigsten europäischen Untersuchungen wurde 2005 im British Medical Journal veröffentlicht. Sie wertete Daten aus 13 Untersuchungen in neun Ländern aus. Insgesamt wurden 7’148 Menschen mit Lungenkrebs und 14’208 Personen ohne Lungenkrebs verglichen.³
Dabei untersuchten die Forschenden unter anderem:
- wie hoch die Radonbelastung in den Wohnungen war
- wie lange die Personen dort gelebt hatten
- ob sie rauchten
Das Ergebnis war eindeutig: Mit steigender langfristiger Radonbelastung stieg auch das Risiko für Lungenkrebs.
Wie stark steigt das Risiko?
Die europäische Studie kam zu folgendem Ergebnis: Steigt die langfristige durchschnittliche Radonkonzentration um 100 Bq/m³, steigt das bestehende Lungenkrebsrisiko im Durchschnitt um rund 16 Prozent. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt diese Grössenordnung.
Was bedeutet das konkret?
Einfach gesagt: Je höher die Radonbelastung über längere Zeit ist, desto höher ist auch das Lungenkrebsrisiko. Die 16 Prozent bedeuten dabei nicht, dass bei 100 Bq/m³ 16 von 100 Menschen an Lungenkrebs erkranken. Es geht um eine relative Erhöhung eines bereits vorhandenen Risikos.
Ein Beispiel: Wenn eine bestimmte Personengruppe ein bestimmtes Grundrisiko hat, erhöht Radon dieses Risiko zusätzlich. Wie hoch das persönliche Risiko tatsächlich ist, hängt aber auch von anderen Faktoren ab – vor allem vom Rauchen.
Kann man bei einer einzelnen Person beweisen, dass Radon den Krebs verursacht hat?
Nach heutigem wissenschaftlichem Stand lässt sich bei einer einzelnen Person nicht eindeutig nachweisen, dass Radon ihren Lungenkrebs verursacht hat.⁴ Das heisst aber nicht, dass der Zusammenhang zwischen Radon und Lungenkrebs unsicher wäre. Der Grund ist ein anderer: Menschen sind im Laufe ihres Lebens verschiedenen Einflüssen ausgesetzt. Dazu gehören zum Beispiel:
- Tabakrauch
- Radon
- bestimmte Stoffe am Arbeitsplatz
- andere Umweltbelastungen
Bei einem einzelnen Tumor lässt sich deshalb nicht feststellen, welcher einzelne Einfluss ausschlaggebend war. Es gibt keinen medizinischen Test, der eindeutig sagen kann: «Dieser Lungenkrebs wurde durch Radon verursacht.» Die Forschung geht deshalb anders vor. Sie untersucht grosse Gruppen von Menschen und schaut, ob bei höherer Radonbelastung häufiger Lungenkrebs auftritt. Genau diesen Zusammenhang zeigen die Studien.
Was zeigen einzelne dokumentierte Fälle?
Einzelfälle können helfen, das Thema verständlicher zu machen. Sie können aber nicht beweisen, dass Radon allein die Ursache einer Erkrankung war.
Ein Fall aus dem Uran-Bergbau
In der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives wurde 2001 der Fall eines 72-jährigen Mannes aus den USA beschrieben, der nie geraucht hatte. Er arbeitete 17 Jahre lang unter Tage im Uranbergbau und war dort einer hohen Belastung durch Radonfolgeprodukte ausgesetzt. 22 Jahre nach dem Ende seiner Tätigkeit erkrankte er an Lungenkrebs.⁵ Der Fall zeigt, dass eine hohe Radonbelastung auch für Nichtraucher relevant sein kann. Er beweist aber nicht, dass Radon bei diesem einzelnen Mann die alleinige Ursache des Tumors war.
Ein Fall aus Österreich
Auch die österreichische Fachstelle für Radon berichtet über einen öffentlich dokumentierten Fall eine Nichtraucherin, die an Lungenkrebs erkrankte. Erst danach wurden in ihrem Wohnhaus hohe Radonwerte gemessen. Durch Sanierungsmassnahmen konnten die Werte deutlich gesenkt werden.⁶ Auch hier gilt: Die Erkrankung und die hohe Radonbelastung sind dokumentiert. Trotzdem lässt sich nicht zweifelsfrei beweisen, dass Radon die Ursache des Tumors war.
Die wichtigste Aussage lautet deshalb: Einzelfälle können ein bekanntes Risiko zeigen. Den wissenschaftlichen Nachweis liefern grosse Studien mit vielen Menschen.
Wie häufig ist Lungenkrebs durch Radon in der Schweiz?
Nach Angaben des Bundesamts für Gesundheit (BAG) verursacht Radon in der Schweiz schätzungsweise 200 bis 300 Todesfälle durch Lungenkrebs pro Jahr.¹ Insgesamt sterben in der Schweiz jedes Jahr rund 3’200 Menschen an Lungenkrebs. Das BAG bezeichnet Radon nach dem Rauchen als die wichtigste Ursache für Lungenkrebs.⁷ Die Zahl von 200 bis 300 Todesopfern ist bevölkerungsbezogene statistische Schätzung. Sie wird aus bekannten Radonbelastungen und wissenschaftlichen Risikodaten berechnet.
Ist Radon auch für Nichtraucher gefährlich?
Ja. Radon kann das Lungenkrebsrisiko auch bei Menschen erhöhen, die nicht rauchen. Bei Raucherinnen und Rauchern ist das Risiko jedoch deutlich höher, weil Rauchen das Grundrisiko für Lungenkrebs stark erhöht. Radon und Rauchen wirken deshalb besonders ungünstig zusammen.
Warum ist eine Radonmessung so wichtig?
Die Wissenschaft zeigt klar, dass Radon das Lungenkrebsrisiko erhöht. Was sie ohne Messung jedoch nicht sagen kann, ist: Wie hoch ist die Radonbelastung in meinem eigenen Zuhause? Darauf liefert nur eine Radonmessung die Antwort. Das Ergebnis zeigt, welcher durchschnittlichen Radonkonzentration die Bewohnerinnen und Bewohner tatsächlich ausgesetzt sind. Erst dann lässt sich beurteilen, ob weitere Massnahmen sinnvoll oder notwendig sind. Welche Arten von Messungen es gibt, wie eine Messung funktioniert, wie lange sie dauert und wo gemessen werden sollte, erklären wir Ihnen hier ausführlich.
Fazit: Radon ist ein nachgewiesenes Risiko – Gewissheit bringt nur eine Messung
Der Zusammenhang zwischen Radon und Lungenkrebs ist wissenschaftlich gut belegt. Je höher die Radonbelastung über längere Zeit ist, desto höher ist auch das Lungenkrebsrisiko. Bei einer einzelnen Person lässt sich dagegen meist nicht beweisen, dass Radon die konkrete Ursache ihrer Erkrankung war. Für Hauseigentümer, Mieter, Bauherrschaften und Verwaltungen ist deshalb vor allem eine Frage wichtig: Wie hoch ist die Radonkonzentration im eigenen Gebäude? Darauf gibt eine fachgerechte Radonmessung eine belastbare Antwort.
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Quellen
² IARC – Einstufung von Radon als krebserregend
³ Darby et al., BMJ (2005) – Europäische Radonstudie
⁴ UNSCEAR (2012) – Zuordnung von Gesundheitsfolgen zu Strahlenbelastungen
⁵ Mulloy et al. (2001) – Lungenkrebsfall im Uranbergbau

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