Unser faparain Bereichsleiter Michael Weber am Bodenseeufer in Münsterlingen im August 2026.

Regenwassermanagement in der Schweiz: Trockenheit zeigt das ungenutzte Potenzial

Die Schweiz erlebt im Sommer 2026 eine ausgeprägte Trockenperiode. Flüsse führen wenig Wasser, Seepegel sind tief und regional wird die Wassernutzung eingeschränkt. Was dabei sichtbar wird: Regenwasser ist keine Notlösung, sondern eine Ressource, die wir konsequenter nutzen sollten. 

Wie sichtbar die aktuelle Trockenheit im August 2026 ist, zeigt unser faparain Bereichsleiter Michael Weber am Bodensee in Münsterlingen. Im Video ordnet er ein, weshalb gespeichertes Regenwasser gerade in solchen Perioden an Bedeutung gewinnt. 

Die aktuelle Trockenheit ist jedoch nur der aktuelle Anlass für die Diskussion. Für uns bei faparain ist das Thema nicht neu. Seit über 50 Jahren beschäftigen wir uns mit der Nutzung, Retention (Rückhaltung) und Versickerung von Regenwasser. Die entscheidende Frage ist deshalb, warum Regenwassermanagement noch immer nicht konsequenter umgesetzt wird. 

20 Millionen Badewannen pro Tag: So viel Wasser verdunstet aktuell am Bodensee

Der Sommer 2026 zeigt, warum ein bewussterer Umgang mit Wasser an Bedeutung gewinnt. Bereits seit dem Frühling herrscht in weiten Teilen der Schweiz eine ausgeprägte Trockenheit. Flüsse und Seen sind von Niedrigwasser betroffen. Auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) weist darauf hin, dass bei anhaltender Hitze mehr Wasser aus Böden, Vegetation und Gewässern verdunstet und dadurch Wasserstände und Abflüsse sinken.

Nach aktuellen Angaben verdunsten im August 2026 am Bodensee rund 3 Milliarden Liter Wasser pro Tag – ungefähr 20 Millionen gefüllte Badewannen. Gleichzeitig braucht es laut BAFU länger anhaltende und grossflächige Niederschläge, damit sich auch Grundwasser und tiefere Bodenschichten nachhaltig erholen können.

Gerade in solchen Perioden stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, für jede Anwendung Trinkwasser zu verwenden. Eine Person in einem Schweizer Haushalt verbraucht durchschnittlich 142 Liter Trinkwasser pro Tag – das sind mehr als 14 volle Giesskannen. Für Gartenbewässerung, WC-Spülung oder sogar die Waschmaschine könnte stattdessen Regenwasser genutzt werdenSo könnten pro Tag und Person bis zu 50% Trinkwasser eingespart werden.

Doch Regenwassermanagement bedeutet mehr als «nur» Wassersparen. Wird Regenwasser vor Ort versickert, unterstützt es den lokalen Wasserhaushalt und die Grundwasserneubildung. Wird es bei Starkregen zurückgehalten und verzögert abgeleitet, kann die Kanalisation entlastet und das Risiko lokaler Überlastungen reduziert werden. 

Regenwassermanagement verbindet damit zwei Herausforderungen, die auf den ersten Blick gegensätzlich wirken: Wasser für trockene Perioden verfügbar machen und bei Starkregen grosse Wassermengen kontrollieren. 

Politisch ist das Thema Regenwassermanagement längst angekommen 

Regenwassermanagement beschäftigt die Schweizer Politik seit Jahren. Bereits 2014 hielt das BAFU in den Grundlagen zur «Sicheren Wasserversorgung 2025» fest, dass die Schweiz insgesamt über ausreichende Wasserressourcen verfügt. Gleichzeitig wurde aber damals darauf hingewiesen, dass regional und zeitweise Engpässe sowie Nutzungskonflikte auftreten können. In den folgenden Jahren rückte das Thema auch politisch stärker in den Fokus. 2022 verlangte die Motion «Das Sammeln von Regenwasser fördern» finanzielle Anreize für Private und Gemeinden, die Regenwasser speichern und nutzen. Der Bundesrat lehnte eine schweizweite Förderung ab. 2023 folgte die Motion «Regenwasser. Eine nachhaltige Ressource». Sie forderte, Rückhaltung, Versickerung und Nutzung von Regenwasser ausdrücklich im Gewässerschutzgesetz zu verankern. Auch diesen Vorstoss lehnte der Bundesrat ab. Nicht, weil Regenwassermanagement grundsätzlich als unwichtig betrachtet wurde, sondern weil aus seiner Sicht bereits genügend gesetzliche und fachliche Grundlagen vorhanden sind. Das Gewässerschutzrecht enthält bereits Vorgaben zum Umgang mit nicht verschmutztem Abwasser. Ergänzend stehen Kantonen und Gemeinden fachliche Grundlagen wie die Publikation «Regenwasser im Siedlungsraum» zur Verfügung. Das Parlament folgte dieser Einschätzung und lehnte die Motion ebenfalls ab. 

Damit zieht sich eine klare Linie durch die politische Diskussion:

Die Bedeutung des Regenwassermanagements wird anerkannt. Zusätzliche nationale Vorgaben oder Förderinstrumente wurden bisher jedoch nicht umgesetzt. 

Unsere Einordnung: Zwischen Empfehlung und Umsetzung liegt die Herausforderung 

Genau an diesem Punkt wird es aus unserer Sicht interessant. Denn vorhandene gesetzliche Grundlagen führen noch nicht automatisch zu einer konkreten Lösung. Regenwassermanagement ist stark vom jeweiligen Standort abhängig. Boden, Topografie, Platzverhältnisse, Gebäudenutzung und lokale Vorschriften entscheiden darüber, ob Regenwasser gespeichert, zurückgehalten, versickert oder kombiniert bewirtschaftet wird. 

Diese lokale Flexibilität ist sinnvoll. Gleichzeitig führt sie dazu, dass Regenwassermanagement je nach Kanton, Gemeinde und Projekt unterschiedlich stark berücksichtigt wird. Aus unserer Erfahrung liegt die Herausforderung deshalb selten darin, dass die Technik fehlt. Lösungen für Nutzung, Retention und Versickerung sind vorhanden. 

Aus unserer Sicht zeigt die Entwicklung der vergangenen Jahre: Mit jeder ausgeprägten Trockenperiode wird die Frage dringlicher, wie aus bestehenden Empfehlungen mehr konkrete Projekte entstehen können. 

Was könnte die Umsetzung erleichtern? 

Hier lohnt sich auch der Blick auf die politischen Rahmenbedingungen. Bei anderen Nachhaltigkeitsthemen zeigt sich, dass technische Lösungen allein nicht automatisch zu einer breiten Umsetzung führen. Klare Rahmenbedingungen, einfache Verfahren und wirtschaftliche Anreize können Investitionen erleichtern und die Verbreitung neuer Lösungen unterstützen.  

Deshalb ist die Frage berechtigt, ob solche Instrumente auch beim Regenwassermanagement stärker eingesetzt werden könnten. Denkbar wären beispielsweise 

  • gezielte Förderbeiträge, 
  • einfachere Bewilligungsverfahren, 
  • klarere Vorgaben,  
  • zusätzliche Anreize für Bauherrschaften und Unternehmen. 

Dabei geht es nicht darum, jedem Gebäude dieselbe Lösung vorzuschreiben. Die Voraussetzungen dafür sind zu unterschiedlich. Unterstützung kann auch bedeuten, Hürden abzubauen und sinnvolle Lösungen attraktiver zu machen. 

Unsere Aufgabe: aus Möglichkeiten konkrete Lösungen machen 

Ob sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen in den kommenden Jahren verändern, wird die politische Diskussion zeigen. Darauf müssen Bauherrschaften, Planende, Unternehmen, Gemeinden und auch Privatpersonen jedoch nicht warten. Die Lösungen für Nutzung, Rückhaltung und Versickerung von Regenwasser sind heute verfügbar. 

Unsere Aufgabe bei faparain sehen wir deshalb darin, die vorhandenen Möglichkeiten in Lösungen zu übersetzen, die zum jeweiligen Projekt passen. Aus über 50 Jahren Erfahrung und mehr als 5’000 realisierten Projekten wissen wir, wie unterschiedlich die Anforderungen sein können. Nicht jedes Gebäude braucht einen grossen Regenwassertank. Nicht überall ist eine Versickerung möglich. Und nicht jedes Projekt stellt dieselben Anforderungen an die Retention. 

Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst viel Technik einzusetzen, sondern die passende Lösung für den jeweiligen Standort zu finden. 

Fazit: Die Lösungen sind da – jetzt geht es um die Umsetzung 

Die Trockenheit im Sommer 2026 zeigt eindrücklich, weshalb ein bewussterer Umgang mit Wasser wichtig ist. Gleichzeitig zeigen politische Vorstösse und bestehende fachliche Instrumente, dass Regenwassermanagement längst auf der Agenda steht. Und der Nutzen ist konkret: Regenwassernutzung kann Trinkwasserressourcen entlasten, Versickerung unterstützt die Grundwasserneubildung, Retention entlastet bei starken Niederschlägen die Kanalisation.  

Ob die Schweiz in Zukunft verbindlichere Vorgaben, einfachere Verfahren oder zusätzliche Förderinstrumente einführt, bleibt offen. Aus unserer Sicht ist entscheidend, dass die vorhandenen Möglichkeiten schon heute stärker genutzt werden. 

Das Wissen ist vorhanden. Die Technik ist vorhanden. Jetzt geht es darum, daraus mehr konkrete Lösungen zu machen.

Genau dort setzen wir an. 

Sie möchten wissen, welche Möglichkeiten für Ihr Projekt bestehen? Unser faparain-Bereichsleiter Michael Weber berät Sie gerne persönlich zum Thema Regenwassermanagement. 


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